Besuch in Sansibar - ein persönlicher Bericht

Jens Thomas hat mit seiner Frau einen traumhaften Urlaub auf Sansibar verlebt. Sie besuchten die Pwani Mchangani School. Hier ein sehr persönlicher Bericht:

Bei einem vom Hotel organisierten 'Village-Walk' besuchen wir an einem der letzten Tage unseres Urlaubs ein kleines Dorf, das nur einem kurzen Fußmarsch über den Strand von unserem Hotel entfernt liegt. Wir bewegen uns durch kleine Gassen auf unbefestigten

Wegen, die Häuser sind teils aus Stein und Beton, oftmals aber aus Lehm und Palmenblättern, Ziegen und Hühner laufen herum, Menschen schauen uns hinterher, während sie 'pole pole' zusammensitzen.

 

Wir kommen zu einem Kindergarten, wo man uns erwartet und freundlich begrüßt. Die Kleinsten des Dorfs singen für uns. Allerliebst. Sie

sitzen auf dem lehmgestampften Boden, der Raum ist dunkel und stickig, es gibt hier keine Spielsachen. Die Besucher verteilen mitgebrachte Stifte und Bonbons und setzen sich natürlich über die klare Ansage, 'no pictures' hinweg, eine Viertelstunde später ziehen wir wieder durch die schmalen Wege, hinüber zur örtlichen Schule.

Die Gebäude machen einen verwahrlosten Eindruck. Offene Wände aus Beton, ein Dach aus Wellblech, darunter Tische und Stühle. Der Putz bröselt, die Tafel ist an die Wand gemalt, die Wände sind schmutzig. Wir sehen kaum Bücher, kein Unterrichtsmaterial. Viele

Kinder, die den Besuch der Touristen gewohnt sind, lassen sich fotografieren und nehmen die Stifte entgegen.

In Reiseführern ist zu lesen, dass man den Kindern hier damit einen Gefallen tun kann, viel besser als Geld oder Süßigkeiten. Der Direktor der Schule belehrt uns eines Besseren. Stifte sind toll, aber viele Menschen besuchen diese Schule und alle bringen Stifte mit. Wir kommen uns ziemlich doof vor. Inmitten der fotografierenden Touristen (no pictures please...), die alle mit Stiften und kleinen Blöcken um sich geworfen haben, erkennen wir unseren Hochmut und unsere Arroganz. Wir schämen uns.

 

Der Direktor führt uns in seinen Besucherraum, berichtet in schlechtem Englisch von den fast 900 Kindern die hier zur Schule gehen und dass man dringend richtige Lernmittel braucht. Er verteilt handgeschrieben Zettel, die kaum zu entziffern sind, darauf seine Kontaktdaten.

Inständig bittet er, "was für Euch schlecht ist, ist für uns noch sehr gut. Wir brauchen dringend Computer". 17 Geräte stehen an der gesamten Schule zur Verfügung. Die Erzählungen des Direktors wirken einstudiert und haben etwas von einer gehetzten

Werbeveranstaltung. Das beeindruckt uns, setzt er sich doch auf diese Weise für seine Schützlinge ein. Wir sehen Bilder einer deutschen Gruppe, die eine Partnerschaft zu der sansibarischen Schule unterhält, ein weiteres Bild einer englischen Schulklasse, ansonsten keine Hinweise auf Unterstützung. Der Direktor wird nicht müde, die Not der Kinder und die Auswirkungen von schlechter Bildung auf die Entwicklung der Insel zu beschreiben. Er sitzt am Schreibtisch seines 'Visitor-Rooms', einem besenkammergroßen Raum mit Sperrmüllmöblierung, Stapeln von abgewetzten, speckigen Büchern und schmutzigen Wänden. Es ist stickig und überfüllt, alle schwitzen und fächern sich warme Luft zu. Wir hören zu und erfahren vom minimalen Gehalt der Lehrer, von den Schwierigkeiten, die Kinder überhaupt regelmäßig in den Unterricht zu bekommen und ihnen dann kaum etwas bieten zu können. Weite Schulwege sind normal, ein Internetzugang leider nicht. Es besteht Schulpflicht, wenn die Kinder aber zu Hause helfen müssen, die Familie über Wasser zu halten, nutzt das wenig. Die Vorstellung, dass Schule so funktionieren kann, ist, gemessen am deutschen Schulsystem, völlig absurd.

 

Wir ziehen weiter, doch der Eindruck hat sich festgefressen und bedrückt uns. Wir besuchen noch das örtliche Krankenhaus, das zu beschreiben hier den Rahmen sprengen würde.

Vielleicht so viel: Der einzige Sterilisator ist zur Zeit defekt, Reparatur nicht in Sicht. Krank sein oder sein Kind zur Welt bringen, will man hier nicht....

 

Wir sind nicht die einzigen, die einen tiefen und bedrückenden Eindruck mitnehmen, der Rückweg zum Hotel verläuft leise und nachdenklich. Der Besuch der Schule wird von unserem Hotel zweimal wöchentlich angeboten, von anderen Hotels sicherlich ebenfalls.

Allen geht gerade durch den Kopf, dass man hier etwas tun muss und ein bisschen Computerkram zu verschicken eigentlich großen Aufwand bedeutet. Wir wollen nicht zu denen gehören, die sich für einige Momente ein schlechtes Gewissen machen lassen und

dann vergessen, was sie gesehen haben.

 

Zurück in Deutschland wollen wir den vor Ort gefassten Entschluss in die Tat umsetzen.

Anstatt Geschenke zum vierzigsten Geburtstag sammeln wir ein bisschen Geld ein, rund 500 € kommen zusammen, wir würden noch etwas drauf legen und dann alte Laptops kaufen, diese frisch machen und nach Sansibar schicken. Schnell merken wir, dass das alles leichter gesagt als getan ist. Als Selbständiger fehlt mir die Zeit, mich zu kümmern, die Idee brodelt aber weiter. Bei der Recherche, wie die irgendwann einmal zu verschickenden Rechner nach Sansibar kommen können stoßen wir auf einen Bericht über das Projekt von der Familie Schorn und ihrem Hilfsverein.

 

Wir telefonieren, tauschen Gedanken aus, ich freue mich, dass da jemand ist, der das Vorhaben in die Tat umsetzt.

Zwischenzeitlich haben wir ein bisschen gespart und können rund 1000 € beisteuern um das Projekt zu unterstützen. Sicher nur ein kleiner Beitrag, der aber helfen kann, den Kindern auf Sansibar eine Starthilfe für Ihre Zukunft zu geben.

 

Eine tolle Unterstützung, für die wir uns herzlich bedanken und die uns bei der Realisierung des Projekts hilft.

Unter www.laptops-fuer-sansibar.de findet Ihr nähere Informationen.

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