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Dr. René Essomba verlässt das St. Josef-Krankenhaus Adenau, um in Yaoundé ein Krankenhaus für Hilfsbedürftige zu betreiben.

Adenau/Yaoundé. Von seinen Traditionen her ist er kamerunisch geprägt, kulturell ist er französisch beeinflusst, und seine Arbeitsmethoden sind deutsch. Dr René Essomba lacht, wenn er sich selbst zu charakterisieren versucht. Auf seine deutschen Eigenschaften wird der 39-jährige Arzt ganz besonders vertrauen, wenn er im Herbst in seine Heimat zurückkehrt. In Yaoundé, der Hauptstadt von Kamerun, will er das Projekt vollenden, das sein Vater auf den Weg gebracht hat, das durch dessen plötzlichen Tod vor zwölf Jahren aber nie richtig abgeschlossen werden konnte: das Krankenhaus Bon Secours, das bedürftigen und mittellosen Menschen gute Hilfe (so die wörtliche Übersetzung) leisten will. Um diesen Traum seines Vaters zu verwirklichen, verlässt René Essomba Adenau, wo er derzeit als Leitender Oberarzt und kommissarischer Leiter der Chirurgischen Abteilung des St. Josef-Krankenhauses tätig ist.

Sein Vater, so erzählt René Essomba, war der erste Professor für Chirurgie in Kamerun und Gründer der kamerunischen Ärztekammer, ein umtriebiger und zupackender Mann. Er wollte nicht tatenlos zusehen, dass sich die meisten seiner Landsleute, weil sie arm sind, eine medizinische Behandlung nicht leisten konnten, und baute deshalb aus eigenen Mitteln in der Hauptstadt Yaoundé die Clinique du bon secours. Das Gebäude war fertig und eingerichtet, als Professor Essomba unerwartet 1998 starb. So ging die Klinik mit ihren 40 Betten nie richtig in Betrieb und war in dem feucht-heißen Klima des zentralafrikanischen Staates zunehmend dem Verfall preisgegeben.

Als sein Vater starb, lebte René Essomba bereits in Deutschland. Und Deutschland ist, wie er betont, in all den Jahren auch seine zweite Heimat geworden. Sein Medizinstudium absolvierte er in Kiel und Frankfurt, seine berufliche Laufbahn führte ihn nach Bad Honnef und Remagen, schließlich 2004 nach Bad Neuenahr ins Krankenhaus Maria Hilf. In Adenau ist der Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie seit Mitte 2008 tätig. Den Kontakt nach Kamerun hat Essomba in all den Jahren nie verloren; regelmäßig einmal im Jahr hat er seine Mutter und seine Geschwister dort besucht. Und es war auch immer „geplant, dass ich irgendwann nach Yaoundé zurückkehre“.

Dass das jetzt so kurzfristig geschieht, hat sicher auch mit Georg Schorn zu tun. Der ist Geschäftsführer eines medizintechnischen Unternehmens aus Meckenheim, hat sich von der Idee der Clinique du bon secours überzeugen lassen und zusammen mit Freunden Anfang dieses Jahres den Verein Bon Secours Kamerun e.V. gegründet. Der will zunächst das nötige Geld auftreiben, damit das Krankenhaus saniert werden kann. Der Kern des Hauses ist wohl noch okay, berichtet Essomba von seinem letzten Besuch. Aber das Dach muss komplett erneuert werden; und das allein kostet schon rund 40.000 Euro.

Wenn die Klinik instand gesetzt ist, will der Verein in einem zweiten Schritt für die Ausstattung sorgen. Die Bedarfsliste – von den OP-Tischen über Narkosegeräte bis zum Röntgenapparat – ist erstellt, die ersten Spenden sind bereits eingegangen. So hat die Uniklinik Bonn 50 ausrangierte Betten mitsamt Matratzen und Nachttischen zur Verfügung gestellt. Die lagern jetzt bis auf weiteres in einem leer stehenden Gebäude auf dem Gelände des St. Josef-Krankenhauses. Und dass er von seinem jetzigen Arbeitgeber Bett- und OP-Wäsche bekommen wird, diese Zusage hat Dr. René Essomba auch bereits.

Bis die Clinique du bon secours in Betrieb geht, wird René Essomba zunächst in einer anderen staatlichen Klinik in Yaoundé als Leitender Unfallchirurg arbeiten und in seiner Freizeit den Wiederaufbau des Lebenswerkes seines Vaters betreiben. Wenn es dann soweit ist, wird er die Clinique du bon secours wie eine normale Privatklinik betreiben – nur eben mit dem kleinen, aber entscheidenden Unterschied, dass hier niemand abgewiesen wird, wenn er das nötige Geld für die Behandlung nicht aufbringen kann.

Auch hierbei wird der Verein, so Georg Schorn, die Klinik tatkräftig unterstützen. Und René Essomba hofft natürlich auch darauf, dass er Kollegen gewinnen kann, nach Yaoundé zu kommen, um in der Klinik kostenlos zu operieren und damit bon secours zu leisten.